Wissenschaft in Jena

Damals und Heute

Das Paradies gibt es nicht

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Hawaii ist nicht nur eine Inselgruppe voller Traumstrände, Palmen und Touristen die dort gerne Urlaub machen. Auch Naturwissenschaftler besuchen diese Insel sehr gerne; sie wollen dort allerdings arbeiten. Das gilt besonders für die Geowissenschaftler: denn Hawaii wurde durch Vulkanismus geschaffen. Und viele dieser Vulkane sind immer noch aktiv.

Ausbruch am Kilauea

Ausbruch am Kilauea (Bild: USGS)

Das weiß auch die Jenaer Studentin Nicole Richter, die seit September 2010 am Vulkan-Observatorium in Hawaii forscht. Dort untersucht sie den Vulkan Kilauea und will herausfinden, wie er sich im Laufe der Zeit verändert. Dazu benutzt sie auch Daten die von TerraSAR-X, einem Satelliten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt der die Erde mit Radarstrahlen abtastet. Mit den Beobachtungen aus dem All konnten Richter und ihre Kollegen den Vulkan extrem genau vermessen und analysieren und der Kilauea war der erste Vulkan überhaupt, bei dem so eine komplette Analyse durchgeführt wurde. Für diese Anstrengungen gibt es gute Gründe: je genauer man einen Vulkan kennt und je früher man daher kleinste Veränderungen an seiner Struktur beobachten kann, desto größer ist die Chance, einen Vulkanausbruch vorherzusagen. Wenn sich die Magmakammer unter dem Vulkan immer weiter füllt, dann kommt es auch am Vulkan selbst und dessen Umgebung zu seismischer Aktivität und Veränderungen in der Form des Vulkans. Anhand der ihnen vorliegenden Daten vermuteten Richter und ihre hawaiinischen Kollegen, dass mit einem Ausbruch demnächst zu rechnen sein könnte. Und tatsächlich fand am 5. März eine Eruption statt. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden aber für die Wissenschaftler war es ein höchst spannendes Ereignis und für Nicole Richter der Höhepunkt ihrer noch jungen Forschungskarriere. Allerdings sind wir immer noch weit davon entfernt, Vulkanausbrüche auch längerfristig genau vorhersagen zu können.

Immerhin verstehen wir aber mittlerweile die Grundlagen und wissen, warum es zu Vulkanausbrüchen, Erdbeben und anderen seismischen Ereignissen kommt. Dass ist hauptsächlich Alfred Wegener zu verdanken dessen Anfangs noch umstrittene Theorie der Plattentektonik die Grundlage der Geophysik bildet. Die Oberfläche der Erde ist aus „Puzzlestücke“ zusammengesetzt die ständig in Bewegung sind; wenn auch sehr, sehr langsam. Dort wo die Platten zusammenstossen, können sich im Laufe der Zeit Spannungen aufbauen und dann katastrophal entladen.

Haeckels Lemuria

Haeckels Lemuria

Vor Wegeners Erkenntnis mussten sich die Wissenschaftler andere Theorien ausdenken. Als der Biologe Ernst Haeckel 1868 seine „Natürliche Schöpfungsgeschichte“ veröffentlichte, fand sich darin auch eine Abbildung, die die Ausbreitung der Menschheit über die Erde illustrieren sollte. Ausgangspunkt und Entstehungsort der Menschen war laut Haeckels Karte ein Kontinent, der zwischen Afrika und Indien lag und der heute versunken sein soll. Nein, nicht Atlantis sondern „Lemuria“ war sein Name und die Wissenschaftler hatten ihn eingeführt, um erklären zu können, warum sich auf weit entfernten Kontinenten sehr ähnliche Tier- und Pflanzenarten entwickeln konnten. Wenn diese Kontinente früher durch Landbrücken verbunden waren, dann hätten sich die Lebewesen so verbreiten können. Die Plattentektonik sagt uns aber, dass Lemuria nicht existiert und dass die Landbrücken nicht notwendig sind: die Kontinente selbst bewegen sich und waren früher näher beieinander als heute. Auf Haeckels Karte wurde Lemuria noch als „Paradies“ bezeichnet. Heute wissen wir, dass die Erde definitiv kein Paradies ist, das für uns Menschen geschaffen wurde. Sie ist ein aktiver Planet, mit Vulkanausbrüchen und Erdbeben, und wir Menschen müssen lernen diese Prozesse so gut wie möglich zu verstehen um uns damit arrangieren zu können.

Dieser Artikel erschien auch im Stadtmagazin 07, Ausgabe 26, Mai 2011: Artikel [pdf], ganzes Magazin [pdf]

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Written by Florian Freistetter

1. April 2011 um 20:07

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