Wissenschaft in Jena

Damals und Heute

Der entschlüsselte Hund

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Wenn es von all den Tieren auf dieser Welt eines gibt, das wir mittlerweile wirklich verstanden haben, dann wird das wohl der Hund sein. Immerhin lebt er seit tausenden Jahren in enger Gemeinschaft mit den Menschen. Aber unser bester Freund hat den Wissenschaftler trotzdem noch Rätsel aufgegeben. Eines davon konnte nun gelöst werden.

Hund

Hund in Bewegung (Bild: Ron Armstrong from Helena, MT, USA / CC-BY 2.0)

„Wie läuft ein Hund“ lautete die simple Frage, die sich Prof. Dr. Martin S. Fischer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und seine Mitarbeiter vom Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie stellten. „Auf vier Beinen!“ mag die ebenso simple Antwort vielleicht lauten – denn das lässt sich ja leicht beobachten. Aber die Zoologen waren an den Details des Bewegungsablaufs interessiert und die waren – überraschenderweise – bis jetzt noch nicht erforscht. Man hatte zwar schon kranke Tiere ausführlich untersucht. Aber eine detaillierte Analyse der Bewegung des Hundes, vom Chihuahua bis zur Dogge, gab es noch nicht. Um das zu ändern namen sich die Jenaer Forscher nun 327 Tiere aus 32 Rassen vor. Sie wurden bei verschiedenen Bewegungsarten von zwei Hochgeschwindigkeitskameras gefilmt. Außerdem bekamen sie reflektierende Marker auf die Haut geklebt die mit hochauflösenden Infrarotkameras gefilmt wurden. Bis zu 1000 Aufnahmen pro Sekunde wurden so gemacht und aus ihrer Analyse konnte ein dreidimensionales Modell der Bewegung erstellt werden. Mit Daten die in dieser Genauigkeit nun das erste Mal vorlagen, konnte man sich an die Beantwortung der „simplen“ Frage machen. Und stellte dabei schnell fest, dass der gemeine Hund noch einige Überraschungen parat hatte. Die Darstellungen von Hundeskeletten in Museen und Lehrbüchern sind sehr oft falsch. Denn auf ihnen sieht man Hüft- und Schultergelenk auf gleicher Höhe. Das wäre nur dann korrekt, wenn beide Gelenke sich tatsächlich entsprechen und die Drehpunkte der Bewegung wären. Die neuen Daten zeigen aber: das sind sie nicht. Die Zoologen fanden außerdem heraus, dass die Proportionen der Hundebeine bei allen Hunderasse quasi identisch sind. Auch wenn kleine Hunde natürlich kleinere Beine haben: die Länge des Oberarms im Vergleich zur Länge des gesamten Vorderbeins beträgt immer 27%

Friedrich Hund (um 1920)

Friedrich Hund, um 1920 (Bild: Gerhard Hund, CC-BY 3.0)

Dank der Bemühungen der Jenaer Forscher sind nun also die Regeln die den Hund beschreiben, entschlüsselt. „Hundsche Regeln“ kannte man in Jena allerdings schon früher. Sie haben aber nichts mit Vierbeinern zu tun sondern mit dem Physiker Friedrich Hund. Gemeinsam mit seinem berühmteren Kollegen leitete er an der Universität Leipzig lange ein Seminar das unter dem Titel „Heisenberg mit Hund“ offiziell angekündigt wurde und dank seiner illustren Gäste in Physikerkreisen einen gewissen Ruhm erlangte. 1946 wurde Hund Professor für Physik in Jena und 1948 sogar Rektor der Universität. Obwohl er 1949 den Nationalpreis der DDR erhielt, geriet er immer wieder in Konflikt mit der politischen Obrigkeit und verließ 1951 Jena um in Frankfurt am Main zu arbeiten. Heute ist er für seine oben schon erwähnten „Hundschen Regeln“ bekannt. Sie beschreiben, wie sich die Elektronen in Atomkernen verhalten und werden in der Atomphysik und Quantenchemie verwendet um das elektronische Verhalten von Atomen und Moleküle und den Einfluss auf deren Reaktionsfähigkeit zu beschreiben. Den Physiker Hund hat Jena 1996 mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt geehrt. Die Hunde die an der Studie der Jenaer Zoologen beteiligt waren, sind nun im Bildband „Hunde in Bewegung“ (VDH Service GmbH und Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2011) verewigt, den die Zoologen Martin Fischer und Karin Lilje anhand ihrer Forschungsdaten erstellt haben.

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Written by Florian Freistetter

1. Juni 2011 um 21:10

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