Wissenschaft in Jena

Damals und Heute

Die Jugend von heute…

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„Die Jugendlichen werden immer schlimmer und schlimmer. Was die heutige Jugend sich erlaubt, wäre zu unserer Zeit nicht möglich gewesen.“ So denkt vermutlich jede Generation und schon Sokrates im antiken Griechenland meinte

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer“.

Aber abgesehen von den üblichen Vorurteilen scheint die Jugend heute in bestimmten Situationen wirklich leicht für Proteste zu mobilisieren sein.

Jugendliche protestieren in Madrid

Jugendliche protestieren in Madrid (Bild: Ben Sutherland, CC-BY 2.0)

In Griechenland wird gegen das Sparpaket demonstriert, in Spanien wurde tagelang die Puerta del Sol in Madrid besetzt um gegen die Regierung zu protestieren und die Revolutionen in Tunesien, Ägypten und Lybien wurden maßgeblich von der jungen Bevölkerung mitgetragen. Bei Protesten dieser Größenordnung besteht immer die Gefahr, dass sich eine anfängliche friedliche Bewegung zu Extremismus wandelt. Inwiefern Jugendliche durch Totalitarismus und Extremismus beeinflussen lassen wird in Zukunft auch am soziologischen Institut der Universität Jena erforscht. Unter der Leitung von Prof. Klaus Dörre wird Jena am von der EU geförderten MYPLACE-Projekt teilnehmen. MYPLACE steht für „Memory, Youth, Political Legacy and Civic Engagement“ und das Hauptaugenmerk wird auf dem Rechtsextremismus liegen.

Der ist ja leider auch in Jena ein Problem. Radikalisierte nationalistische Jugendliche gehören hier quasi zur Tradition denn in Jena 1815 die „Urburschenschaft“ gegründet, die erste Studentenverbindung in moderner Form. Bis dahin waren die Studenten in Landsmannschaften organisiert in die sie nach ihrer Herkunft eingeteilt wurden und damit den kleinstaatlichen Flickenteppich widerspiegelten der zur damaligen Zeit Deutschland darstellte. Deutschland sollte eine vereinte Nation werden, meinten damals viele prominente Intellektuelle wie Johann Gottlieb Fichte, Ernst Moritz Arndt oder auch der Jenaer Historiker Heinrich Luden. Er war damals „spiritus rectores“ der neuen vereinten Burschenschaft und formulierte auch deren Gründungsstatuten mit. Die Farben der im Gasthaus „Grüne Tanne“ gegründeten Vereinigung waren Schwarz und Rot mit goldener Umrandung und aus ihr entwickelte sich die heutige deutsche Fahne in Schwarz-Rot-Gold.

Burschenschaftsdenkmal in Jena

Burschenschaftsdenkmal in Jena (neuerdings grün)

Aus den rebellischen Jugendlichen von damals die sich gegen Staat und Obrigkeit zur Wehr setzen sind heute die konservativen Burschenschaften geworden die eher weniger mit Rebellion und Widerstand in Verbindung gebracht werden sondern mehr mit Rechtsextremismus und Nationalismus. Radikalisierte Jugendliche findet man auch auf der Gegenseite deren Ablehnung sich nicht nur durch Demonstrationen und Proteste äußert. Das Denkmal für die Gründer der Urburschenschaft das 1883 aufgestellt wurde, wurde kürzlich mit grüner Farbe beschmiert. Aber gut, schon Friedrich Schiller war kein großer Fan der Studentenverbindung und sagte in seinen Xenien:

„Jeder, siehst du ihn einzeln, ist leidlich klug und verständig, Sind sie in Corpore, gleich wird dir ein Dummkopf daraus“


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Eine Antwort

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  1. und sie sangen

    nicht radikal, aber wunderbar

    „Blüh’, du edler Musenthron,
    Blühet auch, ihr Lehrer!
    Jedem braven Musensohn
    Werde Ehr’ und Glück zum Lohn,
    Ihm, der Weisheit Hörer!“

    Ephraim

    2. Juli 2011 at 16:56


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