Wissenschaft in Jena

Damals und Heute

Anleitung zur Dämonenbeschwörung

with 2 comments

Einen Dämon zu beschwören ist ganz einfach. Man braucht nur den richtigen Zauberspruch. Mit „Hokus Pokus“ ist es da aber nicht getan; es muss schon etwas originelle und aufwändiger sein. Gut wäre es, wenn man babylonisch oder aramäisch sprechen und verstehen kann. Dann nämlich könnte man den Text lesen, der auf dieser mesopotamischen „Zauberschale“ aus dem 3. bis 7. Jahrhundert aufgeschrieben ist:

Zauberschale

Zauberschale mit Dämon (Bild: Jessica Kaufmann, Manfred Krebernik)

Die Schale gehört Hilprecht-Sammlung der Friedrich-Schiller-Universität (die noch jede Menge mehr solcher alte Zaubergefäße beinhaltet) und das „Objekt des Monats September“ der Universität. In der Mitte der Schale sieht man die Zeichnung eines gefesselten Dämons, spiralförmig nach außen windet sich der Text der Zauberformel die zu dessen Beschwörung nötigt ist. In diesem Fall geht es darum, sich die Dienste des übernatürlichen bei der Haustierhaltung zu Nutze zu machen. Der gebannte Dämon soll die Tiere im Stall beschützen; deswegen wurden solche Schalen auch oft im Fussboden der Ställe vergraben.

Geister zu beschwören ist aber auch Teil der deutschen Klassik. Goethe lässt seinen Faust den Teufel unter anderem mit folgenden Worten beschwören:

Salamander!
Rauschend fließe zusammen,
Undene!
Leucht’ in Meteoren-Schöne,
Sylphe!
Bring’ häusliche Hülfe,
Incubus! incubus!
Tritt hervor und mache den Schluß.

Keines der Viere
Steckt in dem Thiere.
Es liegt ganz ruhig und grins’t mich an,
Ich hab’ ihm noch nicht weh gethan.
Du sollst mich hören
Stärker beschwören.

Bist du, Geselle
Ein Flüchtling der Hölle?
So sieh dies Zeichen!
Dem sie sich beugen
Die schwarzen Schaaren.
Schon schwillt es auf mit borstigen Haaren.

Trotz all dieser Mystik in seiner Literatur beschäftigte sich Goethe im echten Leben intensiv Wissenschaft. Sein Interesse galt weniger den alten Zauberformeln und der Alchemie sondern den neuen Erkenntnissen der chemischen Forschung. Als Staatsbeamter auch zuständig für die Uni Jena richtete er dort 1789 den ersten Lehrstuhl für Chemie an einer deutschen Hochschule. Er wurde von Friedrich August Göttling besetzt, der sich ebenfalls darin auszeichnete, die Chemie zu einer eigenständigen und ernsthaften Wissenschaft zu machen. Göttling gehörte zu den ersten deutschen Chemikern, die sich gegen die damals noch weit verbreitete Phlogiston-Theorie stellte, die davon ausging, dass alle Körper einen besondern Stoff – das Phlogiston – enthalten der entweicht wenn sie verbrennen und den sie aufnehmen, wenn man sie erwärmt. Feuer und Wärme hat auch den Nachfolger von Göttling berühmt gemacht. Johann Wolfgang Döbereiner war nicht nur ganz allgemein ein großer Chemiker der wichtige Grundlagenarbeit leistete, er erfand auch ein eigenes Feuerzeug das auf der katalytischen Wirkung des Platin basierte. Mit seiner Triaden-Regel konnte er als einer der ersten chemische Elemente nach ihren Eigenschaften ordnen und sogar bisher unbekannte Eigenschaften anderer Elemente erfolgreich vorhersagen. Seine Forschung war ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum vollständigen Periodensystem der Elemente. Döbereiners Versuche über die Katalyse, also die Möglichkeit chemische Reaktionen zu beschleunigen, haben eine Vielzahl von Anwendungen ermöglicht, darunter natürlich auch viele in der Medizin. Wer sich heute um die Gesundheit seiner Tiere sorgt, kann jetzt also auch die Früchte der pharmazeutisch-chemischen Forschung zurück greifen und muss keine Zauberschalen mit Beschwörungsformeln mehr im Stall vergraben.
Flattr this

Advertisements

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Ist der Zauberspruch mit dem Faust versucht den „Pudel“ zu beschwören nicht der in den Zeilen davor aufgeführte Spruch der Viere
    “ Salamander soll glühen,
    Undene sich winden,
    Sylphe verschwinden,
    Kobold sich mühen.
    Wer sie nicht kennte
    Die Elemente,
    Ihre Kraft
    Und Eigenschaft,
    Wäre kein Meister
    Über die Geister.
    Verschwind in Flammen,
    Salamander!
    Rauschend fließe zusammen,
    Undene!
    Leucht’ in Meteoren-Schöne,
    Sylphe!
    Bring’ häusliche Hülfe,
    Incubus! Incubus!
    Tritt hervor und mache den Schluss!“?
    Dieser funktioniert aber nicht, da „Keines der Viere/Steckt in dem Thiere“…

    udo

    15. September 2011 at 12:40

    • Naja, im Faust wird generell viel beschworen 😉 Ich hab einfach mal einen Ausschnitt genommen, der schön klingt. Ich dachte das „So sieh dieses Zeichen“ ist auch noch Teil der Beschwörung. Ich hab aber noch ein bisschen was am Anfang dazu gefügt; du hast Recht, das gehört auch noch dazu.

      Florian Freistetter

      15. September 2011 at 13:14


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: